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Fläming

Sehenswürdigkeiten im Fläming

Sehenswürdigkeiten, Sagen & Kultur – die Stopps, die eine Tour erst rund machen.

Sehenswert

Sehenswürdigkeiten im Fläming: Burgenlinie, Feldsteinkirchen und alte Stadtkerne

Zwei Motorräder auf einer Allee unter blühenden Kastanien
Unter blühenden Kastanien am Bauernsee bei Dobbrikow

Der Fläming reiht seine Höhepunkte so auf, dass sie sich gut zu Rundtouren verbinden lassen. Burgen, Schlösser, Klöster und alte Stadtkerne liegen über die Landschaft verteilt und sind über ruhige Landstraßen erreichbar. Die meisten Ziele haben unkomplizierte Parkmöglichkeiten am Rand der Altstädte oder direkt an den Anlagen. Wer die großen Burgen verbinden will, orientiert sich an der ausgeschilderten Burgenlinie, die von Bad Belzig über Niemegk, Rädigke, Raben und Wiesenburg verläuft und damit nebenbei eine ideale Vorlage für eine Tagesrunde liefert.

Burg Eisenhardt in Bad Belzig

Über Bad Belzig thront die Burg Eisenhardt, eine der größten erhaltenen Burganlagen im nördlichen Brandenburg. An gleicher Stelle stand bereits früh eine Befestigung; die heutige Anlage entstand im Wesentlichen im 15. Jahrhundert und wurde zu einer der größten Backsteinfestungen der Region. Vom rund 24 Meter hohen Bergfried reicht der Blick weit über Stadt und Umland. Geparkt wird am besten am Rand der Altstadt; von dort führt ein kurzer Weg hinauf zur Burg. Die Burg ist zugleich Endpunkt vieler Tagesrunden, weil sich rund um den Burgberg Gastronomie und ein Kurpark anschließen.

Schloss und Park Wiesenburg

In Wiesenburg lohnt der Stopp am Schloss Wiesenburg mit seinem weitläufigen Park. Die Wurzeln gehen auf eine mittelalterliche Burg zurück; nach einem Brand wurde im 16. Jahrhundert neu gebaut, zwischen 1864 und 1880 erhielt das Schloss sein heutiges Gesicht im Stil der Neorenaissance. Der öffentlich zugängliche Schlosspark gilt als bedeutendes Gartendenkmal zwischen Potsdam und dem Dessau-Wörlitzer Gartenreich; er steht seit 1982 unter Denkmalschutz. Vom Schlossturm öffnet sich ein weiter Ausblick über die Anlage. Das Schloss selbst wird teils privat genutzt, Führungen werden über die Tourist-Information im Rathaus Wiesenburg vermittelt. Parken ist im Ortskern möglich, der Park ist von dort fußläufig.

Burg Rabenstein bei Raben

Mitten im Naturpark, oberhalb des Dorfes Raben, steht die mittelalterliche Burg Rabenstein auf einer Anhöhe. Die aus Granit- und Feldsteinen errichtete Anlage wurde 1251 erstmals urkundlich erwähnt und sicherte einst die Straße zwischen Wittenberg und Brandenburg. Heute gehören Kapelle, Rittersaal und ein rund 24 Meter hoher Bergfried zur restaurierten Burg, vom Turm reicht der Blick über die Baumwipfel. Die Zufahrt nach Raben führt über schmale, von Wald gesäumte Straßen, am Ortsrand gibt es Parkplätze.

Zur Burg gehört die Fläming-Falknerei, und die gibt einer halben Tagesrunde den Takt vor. In der Saison von April bis Mitte Oktober läuft an den Öffnungstagen eine etwa 40-minütige Flugvorführung; üblicherweise beginnt der Einlass am frühen Nachmittag und die Vorführung kurz darauf. Zu sehen sind unter anderem Geier, Seeadler, Bussarde, Milane, Falken und Eulen, die von der Burghöhe aus über die Baumwipfel ziehen. Montags ist die Falknerei meist geschlossen, an Feiertagen verschiebt sich der Ruhetag.

Hagelberg

Der Hagelberg ist mit rund 200 Metern die höchste Erhebung des Fläming. Eine spektakuläre Fernsicht darf man von dieser sanften Kuppe nicht erwarten, der Reiz liegt im Weg dorthin und in der Ruhe der Umgebung. Auf dem Gipfel steht ein hölzernes Gipfelkreuz mit Gipfelbuch. In unmittelbarer Nähe erinnern zwei Denkmäler an die Schlacht bei Hagelberg vom 27. August 1813 in den Befreiungskriegen gegen Frankreich.

Niemegk und der Vorfläming

Zwischen dem Hohen Fläming und der Belziger Vorfläming liegt das kleine Ackerbürgerstädtchen Niemegk, schon 1161 als „burgwardis Niemeke" erwähnt und erst 1815 preußisch geworden. Sehenswert sind die neugotische Backstein-Stadtkirche St. Johannis mit achteckigem Westturm, von dem sich ein schöner Blick auf die Fläming-Hügelketten öffnet, und das Rathaus, das nach einem großen Brand 1547 als zweigeschossiger Renaissancebau mit Sitznischenportal neu errichtet und bis heute bewahrt wurde. Am Markt steht eine Postmeilensäule von 1725 mit den Initialen Augusts des Starken. Im alten Wasserturm sind heute ein kleines Museum, ein Regionalladen und eine Likörmanufaktur untergebracht. Niemegk liegt verkehrsgünstig an der Abfahrt der A9 und eignet sich gut als Einstieg in den Naturpark.

Görzke, der Töpferort

Am nördlichen Rand des Hohen Fläming liegt Görzke, ein altes Handwerkerdorf, das vor allem für seine Töpfertradition bekannt ist. Über Jahrhunderte lebte der Ort vom Töpferhandwerk, und bis heute laden Werkstätten und Verkaufsräume zum Stöbern ein. Für eine Tour ist Görzke ein ruhiger, eher unbekannter Abstecher, der die Runde im Norden des Fläming abrundet und sich gut mit Wiesenburg oder Bad Belzig verbinden lässt.

Jüterbog mit Stadtmauer

Die alte Tuchmacherstadt Jüterbog bewahrt einen der eindrucksvollsten historischen Stadtkerne der Region. Die Stadtmauer wurde vom 13. bis 16. Jahrhundert errichtet, war ursprünglich rund sechs Meter hoch und ist mit Türmen und drei Toranlagen in großen Teilen erhalten. Erhalten sind unter anderem die Stadttore Dammtor, Zinnaer Tor und Neumarkttor sowie zahlreiche Wehrtürme. Der Marktplatz mit dem alten Rathaus und die Nikolaikirche bilden das Herz der Altstadt. Rund um den historischen Kern gibt es Parkflächen.

Treuenbrietzen, die Sabinchenstadt

Am nördlichen Rand des Fläming liegt Treuenbrietzen, durch die Ballade vom Sabinchen weithin als „Sabinchenstadt" bekannt; ein Sabinchenbrunnen erinnert an das Lied. Der historische Stadtkern bewahrt Teile der alten Stadtmauer mit Pulverturm, das um 1290 entstandene Rathaus, die Stadtpfarrkirchen St. Nikolai (13. Jahrhundert) und St. Marien sowie das Gildenhaus, eines der ältesten Fachwerkhäuser Brandenburgs. Der rund 42 Meter hohe Wasserturm war von 1910 bis 2003 in Betrieb. Treuenbrietzen ist ein guter Zwischenstopp auf der Strecke zwischen Luckenwalde und Bad Belzig.

Feldsteinkirchen und Kunstwanderweg

Über den ganzen Fläming verstreut stehen romanische Feldsteinkirchen, oft das älteste Bauwerk eines Dorfes und ein lohnender Fotostopp am Straßenrand. Besonders dicht ist das Netz im Hohen Fläming: Die Kirche in Borne bei Bad Belzig zählt mit ihren Anfängen im frühen 13. Jahrhundert zu den ältesten Dorfkirchen der Region, in Garrey steht eine denkmalgeschützte Feldsteinkirche aus dem 14. Jahrhundert mitten auf dem Dorfanger, und in Reetz bei Wiesenburg findet sich eine romanische Burgwardkirche. Wer den Motor länger stehen lassen mag, findet im Internationalen Kunstwanderweg Hoher Fläming ein besonderes Ziel: Zwischen den Bahnhöfen Bad Belzig und Wiesenburg verteilen sich rund 28 Kunstobjekte in der Landschaft, geschaffen von deutschen und flämischen Künstlern zum Thema der Besiedlung des Fläming durch Menschen aus Flandern. 2015 erhielt der Weg das Qualitätssiegel Wanderbares Deutschland.

Kultur & Sagen

Weiße Frau, Hünengräber und die Flamen: Sagen aus dem Hohen Fläming

Motorräder auf einer Straße durch leuchtend gelbe Rapsfelder
Rapsblüte bei Kaltenborn

Der Fläming ist eine alte Kulturlandschaft, und wo Menschen seit Jahrhunderten siedeln, wachsen Geschichten. Die folgenden Erzählungen sind Sagen, also überlieferte Volksdichtung, keine belegten Ereignisse. Sie gehören zur Region und legen über die Burgen und Täler eine zweite Schicht, die sich an den Orten selbst nachvollziehen lässt.

Die weiße Frau auf der Burg Eisenhardt

Der Sage nach soll auf der Burg Eisenhardt in Bad Belzig eine weiße Frau umgehen, eine klassische Schlossgeist-Gestalt, wie sie an vielen alten Burgen erzählt wird. Zu den überlieferten Belziger Sagen gehören außerdem die Geschichten vom Rittergrab auf der Burg und vom unglücklichen Ritter. Bewiesen ist nichts davon; sie zeigen aber, wie sehr die Burg im Gedächtnis der Stadt verankert ist.

Der Schatz im Schlossbrunnen von Wiesenburg

Um den Schlossbrunnen von Wiesenburg rankt sich der Sage nach eine Schatzgeschichte. Auf dem Grund des Brunnens soll unter einer schweren Steinplatte goldener Schmuck eines wendischen Fürsten ruhen. Heben lasse sich der Schatz nur in der Nacht zum 1. Mai, wenn das Wasser auf geheimnisvolle Weise verschwinde. Zwei Schatzsucher seien einst hinabgestiegen und hätten die Platte tatsächlich gefunden, doch dann seien schreckliche Gespenster erschienen und hätten einen Galgen errichtet. Vor Schreck habe einer der beiden den Mut verloren, das Werk sei vereitelt worden, die Platte versank, und nur die schnelle Flucht habe die Männer vor dem wieder steigenden Wasser gerettet. So jedenfalls will es die alte Brunnensage vom Fläming.

Riesen und Hünengräber

Wie in vielen norddeutschen Landschaften wurden auch im Fläming die großen, aus tonnenschweren Steinen errichteten Hünengräber der Sage nach Riesen zugeschrieben, weil man sich nicht vorstellen konnte, dass Menschen solche Findlinge bewegt hätten. In Wahrheit stammen diese Großsteingräber aus der Jungsteinzeit, doch die Vorstellung von Riesen als Erbauern hielt sich über Generationen. Manche Erzählungen lassen unter den alten Gräbern auch unterirdisch lebende Wesen hausen.

Gespenstische Reiter und Burggeister

Zu den verbreiteten Motiven der Region gehört auch der gespenstische Reiter, der der Sage nach an bestimmten Orten nachts umgehen soll, mancherorts in alter Uniform und in Begleitung eines Hundes. Solche Geistererscheinungen knüpfen an Kriegszeiten und Unglücke an und stammen aus einer Landschaft, in der Schlachtfelder wie das von Hagelberg und alte Befestigungen zum Alltag der Erzähler gehörten.

Wie der Fläming zu seinem Namen kam

Der Name Fläming selbst erzählt eine fast sagenhafte Geschichte, die hier allerdings historisch belegt ist: Im 12. Jahrhundert holten die Markgrafen Siedler aus Flandern ins Land, die die dünn besiedelte Hochfläche urbar machten. Nach diesen flämischen Einwanderern wurde der Landrücken benannt. In den Dörfern erinnern bis heute Hausformen, Flurnamen und nicht zuletzt der Internationale Kunstwanderweg an diese Herkunft. Aus dieser frühen Besiedlung speisen sich viele örtliche Erzählungen über Schätze, fremde Herren und versunkene Höfe.

Sehenswert

Burgen, Backstein & Geschichte: lohnende Stopps für Regentage

Wenn der kontinentale Himmel über dem Fläming einmal grau wird, verliert die Region nichts von ihrem Reiz, sie verlagert ihn nur unter ein Dach. Burgen, Klöster und Museen bieten überdachte Ziele, die sich auch bei Regen lohnen und an denen das Motorrad trocken parken kann.

Burg Eisenhardt als Museum

Von den Burgen der Region ist Eisenhardt die einzige, die einen Regentag allein trägt: Burgmuseum, begehbare Wehrgänge und die romanische Kapelle liegen unter Dach, der Bergfried lohnt sich, sobald es zwischendurch aufklart. Damit ist die Burg das eine Ziel, das man in Bad Belzig auch bei Dauerregen nicht streichen muss.

SteinTherme Bad Belzig

Der zweite Baustein für denselben Tag liegt wenige Minuten entfernt: die SteinTherme in Bad Belzig, eine Sole-Therme mit jodhaltigem Thermalwasser aus rund 775 Metern Tiefe und einem Salzgehalt von etwa 20 Prozent. Im Außenbecken trägt die hochkonzentrierte Sole den Badegast wie das Wasser des Toten Meeres – nach steifen Stunden in der Schutzkleidung genau das Richtige. Dazu kommen mehrere Innenbecken und ein großzügiger Saunabereich. Die Therme hat ganzjährig täglich geöffnet, an Wochenenden meist mit verlängerten Abendzeiten. Adresse: Am Kurpark 15, 14806 Bad Belzig, Telefon 033841 38800, Parkplätze am Kurpark. Burgmuseum am Vormittag, Therme am Nachmittag – damit ist ein Regentag gefüllt, ohne dass man den Ort wechseln muss.

Kloster Zinna

Das Kloster Zinna bei Jüterbog ist ein idealer Regentag-Stopp. Das Klostermuseum erzählt die über 800 Jahre lange Geschichte des Zisterzienserklosters und der späteren Weberkolonie, die Friedrich II. 1764 anlegte. Zu den Besonderheiten gehört eine Schaubrennerei rund um den Kräuterlikör Zinnaer Klosterbruder. Die Klosterkirche und das Ensemble lassen sich auch bei Regen in Ruhe besichtigen.

Jüterbog und die Reformationsgeschichte

Jüterbog ist einer der authentischsten Orte der Reformationsgeschichte in Brandenburg. Hier predigte der Ablassprediger Johann Tetzel (um 1465–1519), ein Dominikanermönch aus Pirna, im Frühjahr 1517 den Ablasshandel, nachdem ihm dies im nahen Wittenberg verwehrt worden war. Tetzel war im Auftrag des Erzbischofs Albrecht von Brandenburg als Großkommissar für den Ablass unterwegs; ihm wird der berüchtigte Spruch zugeschrieben, „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt". Immer mehr Menschen reisten von Wittenberg nach Jüterbog, um Ablassbriefe zu kaufen, was mit zum Anstoß für Martin Luthers 95 Thesen am 31. Oktober 1517 und damit für die Reformation wurde. Das Museum im Mönchenkloster, dem heutigen Kulturquartier, zeigt unter anderem originale Ablassbriefe aus dem 15. und 16. Jahrhundert. In der Nikolaikirche steht der sogenannte Tetzelkasten, in dem das Ablassgeld gesammelt wurde. Mehr überdachte Stadtgeschichte gibt es nur wenige Kilometer weiter.

Lutherstadt Wittenberg

Für einen ganzen Regentag bietet sich die südlich angrenzende Lutherstadt Wittenberg an. Schlosskirche, Stadtkirche, Lutherhaus und Melanchthonhaus erzählen die Geschichte der Reformation in dichter Folge und lassen sich weitgehend im Trockenen verbinden. Damit schließt sich der Bogen, der in Jüterbog mit Tetzels Ablasshandel beginnt: Beide Orte gehören untrennbar zur selben historischen Episode und lassen sich an einem Regentag zu einer Geschichtsroute verbinden. Fürs Motorrad gibt es ausgewiesene Parkflächen am Rand der Wittenberger Altstadt.

Feldsteinkirchen und Heimatmuseen

Wer es kleiner und stiller mag, findet in vielen Dörfern romanische Feldsteinkirchen, die bei Regen oft geöffnet oder nach Voranmeldung zu besichtigen sind, sowie kleine Heimatmuseen, die das bäuerliche und handwerkliche Leben des Fläming dokumentieren. Auch das Eingangsgebäude von Schloss Wiesenburg beherbergt eine heimatkundliche Stube, und im Wasserturm von Niemegk wartet ein kleines Museum mit Likörmanufaktur. In Görzke lässt sich das Töpferhandwerk unter Dach erleben. Solche Stopps sind selten überlaufen und passen gut in einen Tag, an dem ohnehin keine zügigen Etappen anstehen.

Zwei Fahrgebiete, zwei Tagesplanungen

Wer den Fläming ernsthaft befährt, behandelt ihn nicht als eine Region, sondern als zwei Reviere mit unterschiedlichem Tempo. Im Westen, zwischen Bad Belzig, Wiesenburg, Raben und Görzke, liegt ein auffallend dichtes Netz kleiner Straßen. Zwischen zwei Dörfern liegen selten mehr als zehn Kilometer, Abzweige kommen im Minutentakt, und der Belag wechselt zwischen schattigen Waldabschnitten und offenen Kuppen. Der Schnitt bleibt entsprechend niedrig. Hundertzwanzig Kilometer füllen hier problemlos einen Fahrtag, weil ständig eine Entscheidung ansteht: links in den Wald, rechts über die Feldflur, geradeaus durch das nächste Dorf.

Motorrad fährt an blühendem Flieder durch eine Ortsdurchfahrt
Blumige Ortsdurchfahrt

Im Osten kehrt sich das Verhältnis um. Zwischen Jüterbog, Dahme, Baruth und den Dörfern dazwischen werden die Verbindungen länger, die Abzweige seltener und die Bögen weiter. Man fährt Strecke statt Kurven, hält über Kilometer denselben Gang und sieht das nächste Ziel oft schon, bevor man es erreicht. Zweihundert Kilometer sind dort keine Hetze, sondern ein normaler Tag. Der Übergang zwischen beiden Charakteren liegt grob auf der Linie Treuenbrietzen–Jüterbog; wer beide Reviere an einem Tag mitnehmen will, legt den Wechsel besser bewusst auf eine Pause, statt mitten in der Ostrunde noch den Kurvenrhythmus des Westens zu suchen.

Für die Planung heißt das zweierlei. Westlich ist das Straßennetz so engmaschig, dass eine feste Route wenig Sinn ergibt; dort funktioniert das Fahren nach Himmelsrichtung und Ortsschild besser als eine Punkt-für-Punkt-Navigation. Östlich dagegen gibt es nur wenige durchgehende Achsen, und wer eine davon verpasst, fährt einen längeren Bogen als geplant. Die Kilometerangaben täuschen dabei in beide Richtungen: im Westen dauert alles länger, im Osten geht alles schneller, als die Karte vermuten lässt.

Siedlernamen, Anger und Hufen: warum die Dörfer so aussehen

Der Landstrich trägt den Namen der flämischen Siedler, die im 12. Jahrhundert auf die sandige Hochfläche geholt wurden. Sichtbar ist ihr Erbe weniger in einzelnen Bauwerken als im Zuschnitt der Orte. Viele Dörfer sind planmäßig angelegt: eine einzige durchgehende Straße, beidseitig die Höfe in Reihe, dahinter die schmalen, langgestreckten Ackerstreifen, die vom Hof aus bis zur Feldmark reichen. Andere Orte legen sich um einen breiten Anger, auf dem die Dorfkirche steht. Diese Grundform ist über Jahrhunderte kaum verändert worden, weil die Bevölkerung nie so stark wuchs, dass sie hätte überbaut werden müssen.

Für den Fahrer hat das konkrete Folgen. Ortsdurchfahrten sind kurz, meist wenige hundert Meter, und übersichtlich, weil die Bebauung niedrig bleibt und die Straße gerade durchläuft. Einmündungen kommen fast immer rechtwinklig, Hofeinfahrten dagegen unvermittelt und breit. Wo ein Anger in der Mitte liegt, teilt sich die Straße in zwei schmale Fahrspuren links und rechts der Grünfläche, und die Vorfahrtsregelung ist dort nicht immer selbsterklärend.

Die Ortsnamen erzählen die Schichtung des Landes mit. Neben den slawischen Formen auf -itz, -ke und -ow, die von der Besiedlung vor der Kolonisation stammen, stehen deutschsprachige Namen aus der Rodungszeit. Beides liegt oft im Abstand weniger Kilometer nebeneinander, und die Straßen verbinden es, ohne dass ein Bruch in der Landschaft zu sehen wäre. Wer bei einer Rast auf die Ortstafeln achtet, liest die Siedlungsgeschichte der Region im Vorbeifahren mit.

Feldstein als roter Faden

Der Fläming hat einen eigenen Baustoff, und der bestimmt sein Erscheinungsbild bis heute: den Findling. Die Eiszeit hat das Gestein aus Skandinavien hierher verfrachtet und im Sand liegen lassen, wo es die Bauern über Generationen von den Äckern räumten. Aus diesem Material sind die Dorfkirchen gemauert, die Burgmauern der Region, die Sockel der Höfe und die Einfriedungen ganzer Grundstücke. Der Effekt ist eine ungewöhnliche Geschlossenheit: Burg, Kirche und Scheune bestehen aus demselben grauen Granit, nur unterschiedlich sorgfältig behauen.

Die großen Anlagen stehen fast ausnahmslos im Westen, auf Geländekanten und über Talköpfen, und sie taugen deshalb als Fixpunkte einer Runde. Zwischen zwei von ihnen liegen typischerweise fünfzehn bis fünfundzwanzig Kilometer Landstraße, was einen brauchbaren Takt für einen Fahrtag ergibt: fahren, absteigen, weiterfahren, ohne dass der Tag zur Museumstour wird. Geparkt wird bei den meisten Anlagen unterhalb, am Ortsrand, weil die Zufahrten hinauf schmal und teils gepflastert sind. Der Osten hat diese Dichte an Burgen nicht, dafür geschlossene alte Stadtkerne, in denen sich die Wehrarchitektur in Mauern und Toren statt in einzelnen Burgen erhalten hat.

Eine Eigenheit am Rand: Auch das Straßenpflaster vieler Dorfdurchfahrten besteht aus demselben Granit. Wo eine Kirche aus Feldstein steht, liegt oft auch noch das alte Pflaster – die beiden treten fast immer gemeinsam auf, was als Vorwarnung taugt, sobald ein Kirchturm über den Höfen auftaucht.

Baruth, die Kunststraße und der Anschluss nach Südosten

Baruth/Mark liegt am Nordostfuß des Fläming, dort wo die Hochfläche in die Niederung des Urstromtals ausläuft. Der Ort verdankt seine Bedeutung einer Straße: Über Baruth führte die alte Nord-Süd-Verbindung von Berlin in die Lausitz, und als diese Route im 19. Jahrhundert als Kunststraße ausgebaut wurde, war das ein technischer Einschnitt. Kunststraße ist der zeitgenössische Begriff für die befestigte, mit Unterbau und Deckschicht gebaute Chaussee – im Gegensatz zum blanken Sandweg, der auf diesem Untergrund monatelang unbrauchbar sein konnte. Auf Fläming-Sand war eine ganzjährig befahrbare Straße kein Selbstzweck, sondern die Voraussetzung für jeden regelmäßigen Verkehr.

Aus derselben Bauperiode stammt das Element, das die Region optisch bis heute prägt: die Baumreihen an den Chausseen. Sie wurden gepflanzt, um die Fahrbahn zu beschatten, den Verlauf bei Schnee erkennbar zu halten und Nutzholz zu erzeugen. Was heute als landschaftliches Merkmal gilt, war ursprünglich Teil des Straßenbaus – und erklärt, warum die Alleen fast immer an den älteren, geradlinig trassierten Verbindungen stehen und nicht an den jüngeren Umgehungen.

Baruth ist außerdem der logische Absprungpunkt nach Südosten. Von hier aus lassen sich Ziele anhängen, die selbst nicht mehr zum Fläming gehören:

  • der Spreewald mit Lübben und Lübbenau, östlich anschließend, ein halber Fahrtag hin und zurück
  • die Niederlausitz Richtung Luckau und Finsterwalde entlang der alten Achse nach Süden
  • der Lausitzring bei Klettwitz, der auf derselben Linie liegt und sich als Tagesziel anhängen lässt
  • das Museumsdorf Baruther Glashütte im Wald westlich des Ortes, eine im 18. Jahrhundert gegründete Glasmachersiedlung, in der bis ins 20. Jahrhundert produziert wurde

Westkante zur Elbe: von der Hochfläche ins Stromtal

Nach Südwesten verliert der Fläming an Höhe und läuft auf die Elbe zu. Der Wechsel ist im Sattel deutlich zu spüren: Die welligen Kuppen hören auf, die Sichtweite nimmt zu, und die Straßen werden schnurgerade, weil ihnen kein Gelände mehr im Weg steht. Im Elbtal selbst dominieren Deiche, Auwald und weite Wiesenflächen, ein Landschaftsbild, das mit dem trockenen Sandrücken nichts mehr gemein hat. Große Teile der Mittelelbe stehen unter Schutz, und ein Teil der Deichkronenwege ist für Kraftfahrzeuge gesperrt – die durchgehenden Straßen verlaufen deshalb meist landseitig hinter dem Deich.

Der Strom ist zugleich eine planerische Hürde. Feste Querungen liegen weit auseinander, im Abschnitt um Wittenberg und weiter flussabwärts Richtung Dessau-Roßlau gibt es sie nur an wenigen Punkten, dazwischen setzen Fähren über. Wer eine Runde plant, die die Elbe beidseitig nutzt, legt die Querung vorab fest, statt darauf zu vertrauen, dass sich schon eine Brücke findet. Anfahrten an das Ufer, die dann an einer Sackgasse enden, sind hier keine Seltenheit.

Fahrerisch lohnt der Abstecher trotzdem, weil er den Kontrast liefert, den der Fläming selbst nicht hat: erst die geschlossenen Waldabschnitte und Geländekanten der Hochfläche, dann fünfzig Kilometer offenes Stromtal mit Blick bis zum Horizont. Für eine Tagesrunde ergibt das eine klare Dramaturgie – Hinweg über die Höhe, Rückweg an der Elbe entlang oder umgekehrt.

Dünner Verkehr als strukturelles Merkmal

Die geringe Verkehrsdichte im Fläming ist kein Zufall, sondern eine Folge der Lage. Der Fernverkehr wird links und rechts an der Hochfläche vorbeigeführt: im Westen über die A 9, im Osten über die A 13, im Norden über die A 2. Wer von Berlin nach Leipzig oder nach Dresden will, hat keinen Grund, über die Landstraßen des Höhenzugs zu fahren. Übrig bleibt der örtliche Verkehr – Anwohner, Landwirtschaft, Handwerker – und der verteilt sich auf ein Netz, das für deutlich mehr ausgelegt ist.

Das verändert das Fahren spürbar. Es fehlt der Taktgeber, den man sonst unbewusst nutzt: kein Vordermann, an dem sich das Tempo relativiert, keine Kolonne, die vor der nächsten Kuppe warnt, oft minutenlang kein Gegenverkehr. Wer daran nicht gewöhnt ist, wird schneller, ohne es zu merken, und verlässt sich auf eine Freiheit der Fahrbahn, die genau in dem Moment nicht gilt, in dem hinter der Kuppe ein Traktor mit Anhänger steht. Die zweite Konsequenz ist Verlass auf sich selbst: Reparaturhilfe, Ersatzteile und geöffnete Gastronomie hängen an den größeren Orten, dazwischen liegen Dörfer ohne jede Infrastruktur.

Der Gewinn überwiegt. Man kann im Fläming über Stunden einen eigenen Rhythmus fahren, ohne ihn ständig fremdbestimmt korrigieren zu müssen, und das ist in dieser Nähe zu einer Millionenstadt ungewöhnlich. Die Region liefert keine Höhenmeter und keine spektakulären Panoramen, sondern etwas, das seltener geworden ist: viel Asphalt, wenig Publikum und die Möglichkeit, einen ganzen Tag lang zu fahren, statt sich durch Verkehr zu arbeiten.

Landschafts-Highlights, die du mit dem Motorrad erreichst

Burg Eisenhardt, Bad Belzig

Mittelalterliche Höhenburg mitten in Bad Belzig, dem Zentrum des Hohen Fläming. Der Bergfried, der sogenannte Butterturm, trägt eine Aussichtsplattform, im Kernbereich sitzt ein Burgmuseum.

Anfahrt
Im Zentrum von Bad Belzig, erreichbar über die B 102 und die B 246; kurze Auffahrt vom Altstadtring zum Burgtor.
Motorrad-Parken
Parkflächen am Fuß der Burg und in der Bad Belziger Altstadt; das Motorrad steht nah am Burgeingang.
Öffnungszeiten
Burghof frei zugänglich; Museum und Aussichtsturm mit saisonalen Öffnungszeiten und Eintritt.
Höhe/Aussicht
Aussichtsplattform im Bergfried (Butterturm) mit Blick über Bad Belzig und den Hohen Fläming.

Burg Rabenstein bei Raben

Auf dem Steilen Hagen südlich von Raben liegt die Burg Rabenstein, deren runder Feldstein-Bergfried schon vom Tal aus zu sehen ist. In den Sommermonaten zeigt eine Falknerei in unmittelbarer Nähe regelmäßig Flugvorführungen.

Anfahrt
Über Landstraßen aus Bad Belzig bzw. von der B 102 nach Raben (Gemeinde Rabenstein/Fläming); die Burg liegt südlich des Dorfes.
Motorrad-Parken
Besucherparkplatz an der Zufahrt unterhalb der Burg; das letzte Stück auf den Burgberg geht zu Fuß.
Öffnungszeiten
Burgturm und Falknerei kostenpflichtig; Flugvorführungen in den Sommermonaten, Öffnung saisonal.
Höhe/Aussicht
153 m ü. NN auf dem Steilen Hagen; runder Bergfried von rund 30 Metern als Aussichtspunkt.

Hagelberg, höchste Erhebung des Fläming

Mit 200,3 Metern ist der Hagelberg der höchste Punkt des gesamten Fläming und einer der höchsten des norddeutschen Tieflands. Am Gipfel stehen ein Gipfelkreuz und zwei Denkmäler zur Schlacht bei Hagelberg von 1813.

Anfahrt
Ortsteil von Bad Belzig; erreichbar über Klein Glien von der B 246 oder über Schmerwitz, dann kleine Landstraßen auf die Höhe.
Motorrad-Parken
Parken im Ort Hagelberg bzw. am Waldrand; zum Gipfel mit Kreuz und Denkmälern führt ein kurzer Fußweg.
Öffnungszeiten
frei zugänglich
Höhe/Aussicht
200,3 m ü. NHN – höchste Erhebung des Fläming.
Der Turm der Schlosskirche in der Lutherstadt Wittenberg

Lutherstadt Wittenberg (UNESCO-Welterbe)

Am Südrand des Fläming, am Nordufer der Elbe, liegt die Lutherstadt Wittenberg. Die Luthergedenkstätten – Schlosskirche, Stadtkirche St. Marien, Lutherhaus und Melanchthonhaus – gehören seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Anfahrt
Aus dem Hohen Fläming südwärts durch den Höhenzug bis an die Elbe; rund 90 Kilometer südwestlich von Berlin, landschaftlich noch zum Südfläming gezählt.
Motorrad-Parken
Ausgewiesene Parkflächen am Rand der Altstadt; der historische Kern ist weitgehend fußläufig.
Öffnungszeiten
Altstadt frei zugänglich; die Luthergedenkstätten haben eigene Öffnungszeiten und Eintritt.
Das klassizistische Schloss Wörlitz im Gartenreich Dessau-Wörlitz

Wörlitzer Park im Gartenreich Dessau-Wörlitz (UNESCO-Welterbe)

Am westlichen Fläming-Rand an der Mittelelbe liegt der Wörlitzer Park, ab 1769 auf rund 112 Hektar als englischer Landschaftsgarten angelegt. Er ist Teil des Gartenreichs Dessau-Wörlitz, das seit 2000 UNESCO-Weltkulturerbe ist.

Anfahrt
An der Mittelelbe bei Wörlitz (Landkreis Wittenberg), westlich des Fläming; erreichbar über Coswig (Anhalt) am Rand des Elbtals.
Motorrad-Parken
Bewirtschaftete Besucherparkplätze am Ortsrand von Wörlitz; der Park ist fußläufig.
Öffnungszeiten
Parkgelände frei zugänglich; Schloss Wörlitz, Gotisches Haus und Gondelfahrten kostenpflichtig.

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